Neu am Ostseekai: AIDA erstmalig im ganzjährigen Betrieb mit AIDAprima ab Kiel
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etwas MEERzeit -
30. November 2025 um 09:31 -
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Die Entscheidung, Kapazitäten von den traditionellen Warmwassergebieten in den Norden zu verlagern, ist als direkte Reaktion auf die globale Sicherheitslage zu werten. Aufgrund anhaltender Instabilitäten im Nahen Osten und den damit verbundenen Risiken im Roten Meer wurde die ursprünglich geplante Orient-Saison durch den Mutterkonzern Carnival Corporation gestrichen. Anstatt das Schiff aufzulegen oder den Wettbewerb rund um die Kanarischen Inseln weiter zu verschärfen, entschied sich das Management für die Erschließung eines neuen Marktes in der Nord- und Ostsee.
Parallel dazu bedient dieser Schritt den wachsenden Trend zum „No-Fly“-Tourismus. Ein Einzugsgebiet von rund 80 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum ermöglicht eine Anreise per Bahn oder PKW, was die Abhängigkeit von volatilen Flugpreisen eliminiert.
Ökonomische Impulse für die Region Für den „Port of Kiel“ bedeutet die Stationierung der AIDAprima den finalen Schritt zum Ganzjahreshafen. Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer des Seehafens, und Susanne Henckel, Staatssekretärin im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, wohnten dem Festakt bei und unterstrichen die wirtschaftliche Bedeutung. Im Gegensatz zu reinen Transitanläufen generieren die sogenannten Turnaround-Tage (Passagierwechsel) eine hohe Wertschöpfung.
Lokale Zulieferer profitieren von der Logistik: Pro Anlauf werden bis zu 260 Tonnen Proviant geladen. Zudem sind an Wechseltagen über 400 externe Arbeitskräfte, von Sicherheitsdiensten bis hin zu Stauerei-Betrieben, im Einsatz. Schätzungen zufolge verlängern zudem etwa 50 Prozent der Gäste ihren Aufenthalt durch Vor- oder Nachprogramme in der Region.
Um die Attraktivität einer Seereise bei niedrigen Außentemperaturen zu gewährleisten, setzt AIDA auf das Konzept „Winterzauber“. Technisch ermöglicht wird dies durch die Bauweise der AIDAprima. Der „Beach Club“ sowie das Activity-Deck sind mit einer UV-durchlässigen Folie überspannt, die wetterunabhängig für konstante Temperaturen um 25 Grad sorgt.
Zusätzlich wurde eigens für die Saison eine Eislaufbahn auf dem Sportdeck installiert, die pünktlich zum Stichtag am 30. November in Betrieb ging. Das Bordprogramm ist in thematische Phasen unterteilt:
- November: Fokus auf Varieté und Shows.
- Dezember: Weihnachtliche Atmosphäre und Märkte.
- Januar: Gesundheit und Fitness („Body & Soul“).
- Februar: Film und Kultur.
- März: Après-Ski-Events.
Unter dem Titel „Lichtermeer“ werden zudem Destinationen angesteuert, die für ihre Illuminationen bekannt sind, wie etwa Riga oder Kopenhagen.
Nautisch ist die AIDAprima durch ihren senkrechten Bug („Vertical Bow“) gut für die winterlichen Verhältnisse auf Nord- und Ostsee gerüstet, da dieser die Hydrodynamik bei Wellengang verbessert. Ein zentraler Aspekt für die Akzeptanz am Standort Kiel ist die Energieversorgung. Während der Liegezeiten bezieht das Schiff konsequent Landstrom aus erneuerbaren Energien. Dies reduziert lokale Emissionen und Lärmbelastung auf ein Minimum und sichert der Reederei die operative Lizenz in einem umweltsensiblen Umfeld.
Der Fahrplan kombiniert Kurzreisen, wie den 5-tägigen Trip nach Oslo, mit längeren Reisen. Ab dem 4. Dezember führen 12-tägige Routen unter anderem nach Stockholm und Danzig (Gdynia). Besonders die Passage durch die schwedischen Schären stellt im Winter ein nautisches Highlight dar, sofern die Eislage dies zulässt. Die Festtagsreisen über Weihnachten und Silvester zielen indes auf Gäste ab, die eine Alternative zu den Feierlichkeiten zu Hause suchen.
Mit diesem Angebot positioniert sich AIDA aggressiv gegen Wettbewerber wie MSC und TUI Cruises und besetzt eine Marktnische, die bislang vorwiegend von Fährlinien dominiert wurde. Sollte sich das Konzept bewähren, könnte der Wintertourismus ab Deutschland zur dritten festen Säule im Portfolio der Reederei werden.