AIDA und Costa streichen Orient-Saison 2026/2027: Alle Hintergründe, Alternativen und Rechte
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14. März 2026 um 08:29 -
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Ursprünglich wurden die Reisen im November 2024 mit großen Rabatten für Frühbucher vorgestellt. Das Zielgebiet rund um Dubai, Abu Dhabi und den Oman ist im Winter traditionell sehr lukrativ. Um eine gute Grundauslastung, die sogenannte Base Load, zu erreichen, lockten die Veranstalter mit starken vertrieblichen Angeboten.
Die Absage vom 13. März 2026 betrifft nun alle Abfahrten der AIDAprima zwischen dem 19. Oktober 2026 und dem 20. Mai 2027. Dazu gehören auch die wochenlangen Transreisen, also die Überführungsfahrten rund um den afrikanischen Kontinent. Da das eigentliche Zielgebiet nicht mehr sicher angefahren werden kann, machen diese langen und kostenintensiven Fahrten wirtschaftlich und logistisch keinen Sinn mehr. Lediglich eine kurze Fahrt von Hamburg nach Gran Canaria im Oktober 2026 bleibt im Programm bestehen.
AIDA Cruises begründet den Schritt mit der unsicheren Lage im Nahen Osten. Vor allem die schmale Straße von Hormus, das Nadelöhr zum offenen Ozean, stellt ein enormes Risiko dar. Kreuzfahrtschiffe unterliegen strengen Auflagen der P&I Clubs, also der maritimen Versicherer. In ausgewiesenen Krisengebieten steigen die Risikoaufschläge, die sogenannten War Risk Premiums, stark an.
Noch wichtiger ist jedoch die Sicherheit der Passagiere und der Crew. Erst einen Tag zuvor, am 12. März 2026, musste TUI Cruises das Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 5 im Persischen Golf komplett evakuieren. Um ein solches chaotisches und gefährliches Szenario zu vermeiden, haben AIDA und Costa die Reißleine frühzeitig gezogen.
Eine so umfassende Stornierung ist für das Ertragsmanagement (Yield Management) der Reedereien eine massive Herausforderung. Um hohe Rückzahlungen zu vermeiden und die Liquidität zu sichern, bietet AIDA Cruises ein attraktives Bordguthaben von 200 Euro pro Kabine an, wenn Kunden proaktiv auf eine andere Reise umbuchen. Diese Umbuchung muss bis zum 10. Mai 2026 erfolgen.
Für das Unternehmen ist dieses Guthaben deutlich günstiger als echte Barauszahlungen, da die Margen bei Ausflügen oder Getränken an Bord traditionell hoch sind. Stationäre Reisebüros behalten bei einer Umbuchung ihre Provisionen. Dies sichert die Loyalität der wichtigen Vertriebspartner. Costa Kreuzfahrten bietet ein sehr ähnliches Modell mit einer Frist bis zum 30. April 2026 an.
Kreuzfahrten fallen unstrittig unter das Pauschalreiserecht. Eine einseitige Absage durch den Veranstalter ist nur bei "unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen" zulässig. Angesichts der militärischen Eskalation im Zielgebiet ist dieser Grund hier zweifelsfrei gegeben. Die Reedereien müssen den Kunden ihre geleisteten Zahlungen innerhalb einer Frist von 14 Tagen vollumfänglich erstatten.
Da AIDA und Costa die Absage auf externe Krisen stützen können, entfallen in der Regel Entschädigungsansprüche der Kunden wegen "entgangener Urlaubsfreude". Auch die sehr frühe Absage schützt die Unternehmen: Die meisten Reisenden haben für den späten Herbst 2026 noch keine separaten Linienflüge oder Hotels gebucht. So werden weitere zivilrechtliche Schadensersatzforderungen minimiert.
Die AIDAprima muss nun neue Routen bedienen. Wir werden künftig wohl deutlich öfter von der Steuerbord- und Backbord-Seite der Schiffe auf die stabilen, europäischen Küstenlinien blicken, anstatt auf die Küsten des Persischen Golfs. AIDA kündigte neue Reisen ab Mitte April 2026 an. Erfahrungsgemäß könnten dies winterliche Fahrten in Nordeuropa sein – ganz nach dem bewährten Motto "Hygge instead of heat".
Parallel dazu verlegt Costa sein Flaggschiff Costa Smeralda auf die Kanarischen Inseln und die Costa Pacifica in das Mittelmeer. Das führt zwangsläufig zu einem großen Angebot auf dem europäischen Wintermarkt. Dieses lokale Überangebot, in der Branche Overcapacity genannt, könnte zu günstigeren Last-Minute-Preisen für Reisende führen. Das Flottenmanagement muss zudem das laufende Modernisierungsprogramm "AIDA Evolution" berücksichtigen. Wenn ältere Schiffe der Sphinx-Klasse routinemäßig in die Werft gehen, kann die große AIDAprima diese Kapazitätslücken füllen.
Die globale Tourismusbranche verändert sich grundlegend. Sichere Regionen in Europa, Asien und der Karibik rücken stärker in den Fokus, während der Persische Golf als sicheres Ziel vorerst ausfällt. Die schnelle und vorausschauende Reaktion von AIDA Cruises beweist jedoch, dass die Industrie aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt hat und ihre strategische Agilität spürbar erhöhen konnte.