P&O Iona: Bananen-Chaos verhinderte pünktliches Auslaufen
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etwas MEERzeit -
8. Dezember 2025 um 10:20 -
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Auslöser der Misere war Tiefdruckgebiet „Darragh“. Der Sturm fegte mit Windgeschwindigkeiten von fast 100 km/h über den Ärmelkanal und die Südküste Englands hinweg. Das entspricht Windstärke 10 bis 11 auf der Beaufortskala. Doch der Wind war nicht das einzige Problem: Durch ein seltenes Phänomen, einen sogenannten „Negative Surge“, wurde das Wasser förmlich aus dem Solent gedrückt. Die Folge waren extrem niedrige Wasserstände, die selbst für erfahrene Kapitäne zum Risiko wurden.
Mitten in diesem Wetterchaos geriet das Kühlschiff Baltic Klipper in Bedrängnis. Auf dem Weg nach Portsmouth begann das Schiff in der schweren See heftig zu rollen – eine gefährliche Bewegung von Backbord nach Steuerbord und zurück. Die Kräfte waren so enorm, dass die Ladungssicherung versagte.
Gegen 18:00 Uhr am Samstagabend passierte es: Nahe dem Nab Tower gingen zwischen 16 und 18 Container über Bord. Der Inhalt: Keine Gefahrgüter, sondern Bananen, Kochbananen und Avocados. Fünf der Container waren leer, was sie besonders gefährlich machte, da sie knapp unter der Wasseroberfläche trieben und für das Radar kaum sichtbar waren.
Für das Flaggschiff von P&O Cruises, die Iona, bedeutete dies: Leinen fest. Eigentlich sollte der LNG-Riese am Samstagabend zu einer Reise Richtung Kanaren und Madeira aufbrechen. Doch die Sicherheit geht auf See immer vor.
Die Verkehrszentrale Southampton sperrte faktisch den Tiefwasserkanal. Das Risiko, dass einer der massiven Stahlcontainer in die empfindlichen Antriebsgondeln oder den Rumpf der Iona krachen könnte, war zu groß. Die Reederei entschied sich für den sicheren Weg: Das Schiff blieb im Hafen. Erst am Sonntagmittag, mit fast 20 Stunden Verspätung, konnte die Iona ablegen. Um den Zeitplan einzuhalten, muss das Schiff nun ordentlich Fahrt aufnehmen, was den Treibstoffverbrauch deutlich in die Höhe treibt.
Während die Kreuzfahrer „nur“ warten mussten, traf es die Isle of Wight härter. Der Fährverkehr brach fast vollständig zusammen.
- Red Funnel musste den Betrieb der schnellen „Red Jets“ und später auch der Autofähren wegen des Wetters einstellen.
- Wightlink kämpfte mit technischen Ausfällen an der Flotte und den extrem niedrigen Wasserständen. Pendler und Reisende saßen fest.
Am Sonntagmorgen erreichte die „Bescherung“ dann das Festland: In Selsey wurden die ersten aufgebrochenen Container angespült. Der Strand war übersät mit grünen Bananen. Die Behörden warnten Schaulustige davor, das Strandgut mitzunehmen – nach britischem Recht ist dies eine Straftat. Aufräumteams sind bereits im Einsatz, um die Stahlboxen und das Obst zu bergen.
Dieses Wochenende hat gezeigt, wie empfindlich die maritime Logistik ist. Ein einziger Frachter mit Problemen bei der Ladungssicherung kann in Kombination mit einem Sturm einen der wichtigsten Häfen Europas lahmlegen. Für die Passagiere der Iona startete der Urlaub holprig, doch die Entscheidung der Kapitänin oder des Kapitäns war nautisch absolut korrekt: Sicherheit steht immer an erster Stelle.