Seenotrettung: Kreuzfahrtschiff MSC Splendida rettet 19 Schiffbrüchige vor Mallorca
-
etwas MEERzeit -
30. Oktober 2025 um 11:03 -
915 Mal gelesen -
0 Antworten
Am 26. Oktober 2025 wurde das Kreuzfahrtschiff MSC Splendida vor der Küste Mallorcas, in der Nähe der Insel Cabrera, in eine dringende Seenotrettungsaktion (Search and Rescue, SAR) eingebunden. Die spanische Seenotrettung (Salvamento Marítimo) forderte das Schiff gezielt zur Unterstützung an. Der Hintergrund war ein kleines, überfülltes und nicht seetüchtiges Boot (Patera), das bei rauer See in akute Seenot geraten war.
Die Hilfeleistung durch den Kapitän und die Besatzung ist gemäß internationalem Seerecht, insbesondere dem SOLAS- und dem SAR-Übereinkommen, eine zwingende Pflicht. Ohne akute Gefahr für das eigene Schiff, die Crew oder die Passagiere muss sofort geholfen werden, sobald von einer Notlage Kenntnis erlangt wird. Die Reederei MSC Cruises handelte damit völlig im Einklang mit dem internationalen Seevölkerrecht.
Insgesamt wurden 19 Personen, darunter erfreulicherweise auch zwei Kinder, von dem in Seenot geratenen Fahrzeug geborgen. Sie stammten aus der nordafrikanischen Maghreb-Region. Die Situation war kritisch: Berichten zufolge kämpften bereits mehrere Menschen im Wasser ums Überleben.
Die Crew der MSC Splendida reagierte umgehend und entschlossen. Sie setzte Rettungsgeräte ein und ließ Leitern herab, um die Personen sicher an Bord zu holen.
Besondere Anerkennung fanden die samoanischen Seeleute, die einen wesentlichen Beitrag zur Bergung leisteten. Ihre Professionalität und ihr Handeln wurden auch von ihrer Anstellungsagentur hervorgehoben. Der Kapitän des Schiffes dankte seiner Besatzung persönlich für deren Ruhe und Entschlossenheit in dieser Drucksituation.
Nach der erfolgreichen Bergung wurde das interne Protokoll für Schiffbrüchige sofort aktiviert. Die 19 Geretteten erhielten umgehend medizinische Erstversorgung, warme Speisen und Getränke, saubere Kleidung sowie einen sicheren Ruheplatz auf dem Schiff. Diese umfassende humanitäre Hilfe geht über die reine Rettung hinaus und dient der Stabilisierung der Menschen nach dem traumatischen Erlebnis.
Die Geretteten blieben an Bord der MSC Splendida, bis das Schiff planmäßig den Hafen von Barcelona in Spanien anlief. Die internationale SAR-Konvention schreibt vor, dass eine Rettungsaktion an einem "Sicheren Ort" (Place of Safety - POS) enden muss. Da das Schiff sich ohnehin auf dem Weg nach Barcelona befand, war dies sowohl logistisch als auch rechtlich die beste Wahl.
Barcelona bietet als große Hafenstadt die notwendige Infrastruktur – von Polizei über Sozialdienste bis hin zu Krankenhäusern – um die anschließenden komplexen administrativen Verfahren zu bewältigen. Die Beibehaltung des ursprünglichen Fahrplans minimierte zudem die Störung für das Kreuzfahrtunternehmen und dessen Passagiere.
Mit der Anlandung in Spanien wird auch das wichtige Non-Refoulement-Prinzip (das Verbot der Rückführung in ein gefährliches Gebiet) gewährleistet.
Nach der Ankunft wurden die 19 Personen in Barcelona den lokalen Behörden übergeben. Die Erwachsenen (17 Personen) unterliegen dem spanischen Ausländerrecht und werden registriert, in der Regel in einem Internierungszentrum (CIE) zur Klärung des Aufenthaltsstatus. Bei Bedarf wird zudem eine medizinische Behandlung in einem Krankenhaus organisiert.
Für die beiden Kinder wird sofort ein spezielles Schutzverfahren ausgelöst, das in Spanien für unbegleitete Minderjährige (Menores no Acompañados, MNA) gilt. Sie werden von den Migrationsverfahren an die Jugendwohlfahrtsbehörde übergeben und erhalten staatliche Obhut.
Die gesamte Operation zeigt eindrücklich, wie gut die Koordination zwischen staatlicher Seenotrettung und kommerziellem Schiffsverkehr im Mittelmeer funktioniert, um Menschen aus akuter Gefahr zu retten und die Einhaltung humanitärer Standards zu sichern.