Mega-Umbau bei der MEYER WERFT: Wie Bund und Land die Führung neu ordnen
-
etwas MEERzeit -
25. Oktober 2025 um 08:25 -
1.629 Mal gelesen -
0 Antworten
Die entscheidende Stärkung der Führungsebene wurde Anfang 2025 mit einem umfassenden Sanierungsplan in die Wege geleitet. Dieser Plan sah vor, dass sich die Eigentümerstruktur grundlegend ändert und ein starker, mitbestimmter Aufsichtsrat (AR) etabliert wird. Nachdem feststand, dass die Werft grundsätzlich saniert werden kann und schützenswert ist, war dieser Schritt das politische und wirtschaftliche Signal für die Weiterentwicklung.
Mit dem Einstieg von Bund und Land Niedersachsen als neue Gesellschafter im Dezember 2024 kippte die bisherige Machtbalance. Beide übernahmen Anteile von je etwa 40 Prozent und investierten jeweils 200 Millionen Euro. Gleichzeitig stellten sie Bürgschaften in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Euro in Aussicht. Damit trägt die öffentliche Hand einen Großteil des Risikos und sichert die Werft finanziell ab. Die operative Führung durch Geschäftsführer Ralf Schmitz genießt das volle Vertrauen der neuen Gesellschafter. Schmitz, dem eine entscheidende Rolle bei der Rettung und Refinanzierung zugeschrieben wird, ist jetzt der zentrale Ansprechpartner für alle externen Geldgeber.
Im Zuge der Neuordnung zog sich Bernard Meyer, der die Werft über 50 Jahre lang geprägt hatte, aus dem operativen Geschäft zurück. Er wird sich künftig im Beirat um nicht-operative, strategische Fragen kümmern. Auch Jan und Tim Meyer schieden aus der Geschäftsführung aus. Jan Meyer ist jedoch als Vertreter der Familie in den neu aufgestellten Aufsichtsrat gewechselt. Diese Trennung von Eigentümerfamilie und Tagesgeschäft ist ein entscheidender Schritt. Sie ermöglicht es der neuen, professionellen Führungsmannschaft, die notwendigen, mitunter harten Entscheidungen im Zuge der Sanierung objektiver zu treffen, ohne die emotionale Bindung zur Historie der Werft.
Die wichtigste Neuerung ist die Einrichtung des 12-köpfigen, mitbestimmten Aufsichtsrates am 31. Januar 2025. Dieses Kontrollgremium überwacht die Umsetzung des Sanierungsplans und soll die Zukunftsfähigkeit sichern. Zum Vorsitzenden wurde Klaus Richter gewählt, ein erfahrener Manager aus Großkonzernen wie Airbus und Diehl. Seine Wahl signalisiert, dass es der Werft nicht nur um Finanzen, sondern vor allem um Prozessoptimierung und eine transparente, industrielle Unternehmenssteuerung geht.
Im Aufsichtsrat sitzen auch Vertreter von Bund und Land, darunter Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. Dies gewährleistet eine strenge Überwachung der staatlichen Hilfen. Sechs Sitze sind zudem für Arbeitnehmervertreter reserviert, was Betriebsratsvorsitzender Andreas Hensen als „echten Gewinn für alle Beschäftigten“ bewertete. Die Mitbestimmung wurde so deutlich gestärkt.
Die neue Führung lenkt den Blick klar in die Zukunft: Statt über niedrige Lohnkosten zu konkurrieren, setzt die Werft auf überlegene, hochkomplexe Ingenieursleistungen. Es werden über 100 neue Arbeitsplätze im Bereich „MEYER GLOBAL ENGINEERING“ geschaffen. Dies ist ein strukturelles Paradoxon, denn es wird Personal in einigen Bereichen abgebaut, während massiv in technische Kompetenz investiert wird. Die Werftleitung sieht diese Stärkung des Engineerings als Schlüssel zur Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze in der Fertigung.
Trotz des Umbaus bleibt die Werft operativ leistungsfähig, was sich an der termingerechten Ablieferung des Kreuzfahrtschiffes Disney Destiny kurz vor dem Stichtag im Oktober 2025 zeigte. Die strukturelle Verstärkung der Führung ist der notwendige Grundstein, um die staatlich finanzierte Sanierung erfolgreich abzuschließen und die Werft langfristig wieder in private Hände zurückführen zu können.