Orkantief bremst AIDAperla aus: Darum verspäten sich Kreuzfahrten in Norwegen
-
etwas MEERzeit -
6. April 2026 um 15:44 -
415 Mal gelesen -
0 Antworten
Auslöser der Verzögerung ist das Orkantief „Dave“, das am Osterwochenende mit enormer Wucht über Skandinavien hinwegzog. Mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h und extremem Seegang brachte das Wetter die Schifffahrt teilweise komplett zum Erliegen. Trifft der Wind mit solcher Kraft seitlich auf die riesigen Decksaufbauten an Backbord oder Steuerbord, wird es für Mensch und Material schnell ungemütlich. Die Schiffsführung musste zwingend reagieren, abwarten und die Geschwindigkeit drosseln, um die Sicherheit der Gäste zu garantieren.
Ein weiterer entscheidender Grund für die Verspätung ist ein neues norwegisches Seerecht, das seit Anfang 2026 gilt. Dieses verbietet Passagierschiffen mit einer Länge von über 150 Metern die Fahrt durch bestimmte gefährliche Küstenabschnitte, sobald es eine offizielle Sturmwarnung gibt. Die AIDAperla ist doppelt so lang wie der Grenzwert und durfte bekannte Nadelöhre wie die Hustadvika rechtlich gar nicht passieren.
Diese strengen Regeln sind eine direkte Folge der Havarie der „Viking Sky“ im Jahr 2019. Norwegen schützt so proaktiv Menschenleben und Rettungskräfte. Auch große Infrastrukturprojekte wie der geplante Stad-Schiffstunnel bieten für Schiffe dieser Größenordnung keine Lösung. Der Tunnel ist für Mega-Liner mit über 37 Metern Breite schlichtweg zu klein. Riesige Kreuzfahrtschiffe bleiben somit in Norwegen wetterabhängig.
Im Jahr 2026 haben solche witterungsbedingten Verzögerungen zudem weitreichende Folgen. Wegen der angespannten geopolitischen Lage im Roten Meer haben viele Reedereien ihre Schiffe nach Nordeuropa verlegt, was die Häfen enorm auslastet. Ein verspätetes Einlaufen bringt die streng getaktete Hafenlogistik durcheinander. Landausflüge fallen aus, und ökologische Landstromanlagen können durch die verkürzte Liegezeit nicht wie geplant genutzt werden.
Trotz des ärgerlichen Zeitverlusts zeigt die aktuelle Situation der AIDAperla vor allem eines: Das moderne Risikomanagement auf See funktioniert hervorragend. Die Crew hält sich strikt an nautische Vorgaben und neue Gesetze. Für die Passagiere bedeutet das zwar etwas weniger Zeit an Land, dafür aber die Gewissheit, auf ihrer Urlaubsreise bestmöglich geschützt zu sein.