Viking Star: Crewmitglied über Bord im Mittelmeer
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etwas MEERzeit -
28. Oktober 2025 um 12:56 -
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Nachdem der Alarm ausgelöst wurde, leitete die Crew der Viking Star sofort das Notfallprotokoll ein. Dies zeugt von einem professionellen Training der Besatzung. Augenzeugen, darunter Passagiere, bestätigten, dass die Reaktion schnell und koordiniert war:
- Ein großer, oranger Rettungsring wurde über die Backbordseite (links) des Schiffes ins Wasser geworfen.
- Kurz darauf folgte eine weitere Markierungshilfe – ein kleinerer Ring mit einer Leuchtboje oder einem Signalgeber – um die genaue Position des Vorfalls zu markieren.
- Das Schiff selbst begann unverzüglich mit einer ausgedehnten Eigensuchaktion und drehte bei, um das Seegebiet langsam zu umkreisen.
Die Suche dauerte sechseinhalb Stunden, bis etwa 18:00 Uhr Ortszeit. Da die Überlebenschancen nach so langer Zeit signifikant sinken und die intensive Suche bei Tageslicht erfolglos blieb, stellte die Viking Star die unmittelbare Aktion ein. Mit der Übergabe der Verantwortung an die Italienische Küstenwache erfüllte die Reederei ihre rechtliche Pflicht zur Hilfeleistung. Als direkte Konsequenz der langen Suchaktion musste der ursprüngliche Fahrplan der 14-tägigen Reise angepasst werden. Um den Zeitverlust zu minimieren, wurde der geplante Hafenanlauf in Palermo gestrichen und stattdessen die Stadt Messina auf Sizilien angesteuert. Dies ermöglichte es dem Schiff, die Verzögerung bis zur nächsten Destination (Neapel) zu reduzieren.
Viking Cruises bestätigte den Vorfall in einer knappen Erklärung, in der man der Familie des Crewmitglieds tiefstes Bedauern und Unterstützung zusicherte – ein übliches Vorgehen im Rahmen des Krisenmanagements. Der Vorfall soll sich auf Deck 2 des Schiffes ereignet haben. Da dieses Deck sehr tief liegt und oft Crew-Kabinen oder Arbeitsbereiche beherbergt, geht die Untersuchung davon aus, dass das Unglück im Zusammenhang mit der Arbeit des Besatzungsmitglieds steht.
Da es sich um ein Crewmitglied handelt, fallen die Ermittlungen unter das Seearbeitsübereinkommen (MLC, 2006). Die zuständigen Behörden werden nun prüfen, ob die Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden und ob die Arbeitsumgebung auf diesem tief gelegenen Deck ausreichend gesichert war. Obwohl die Reaktion der Crew schnell und nach Protokoll erfolgte, bleibt die tragische Erkenntnis, dass selbst die besten manuellen Prozeduren an ihre Grenzen stoßen. Ein kritischer Punkt in der modernen Kreuzfahrtindustrie ist das Fehlen automatischer "Mann über Bord" (MOB)-Erkennungssysteme.
Diese modernen Systeme nutzen Radar oder Videoanalyse, um den Vorfall sofort zu erkennen, die GPS-Position präzise zu speichern und somit wertvolle Minuten in der Anfangsphase der Rettung einzusparen – Minuten, in denen die Person sonst stark abtreiben kann. Die alleinige Abhängigkeit von menschlicher Sichtung und manuell abgeworfenen Markierungen gilt als veraltet. Angesichts der Statistik von weltweit 428 dokumentierten Über-Bord-Vorfällen seit dem Jahr 2000, fordern Experten die maritime Industrie auf, solche automatischen MOB-Systeme zur Pflicht zu machen, um die Überlebenswahrscheinlichkeit signifikant zu erhöhen und die rechtliche Haftung der Betreiber zu mindern.