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Kreuzfahrttourismus in Mecklenburg-Vorpommern: Eine Wertschöpfungsanalyse

  • Florian "Vossy" Voß
  • 20. Juni 2025 um 09:05
  • 1.351 Mal gelesen
  • 0 Antworten
Bild von Richard Eisenmenger auf Pixabay
Mecklenburg-Vorpommern hat die ökonomische Bedeutung des Kreuzfahrttourismus im Bundesland erstmals umfassend analysiert. Eine landesweite Studie, initiiert vom Netzwerk „MV Cruise Net“ in Kooperation mit dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern und dem Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, enthüllt beeindruckende Zahlen:
Inhaltsverzeichnis [VerbergenAnzeigen]
  1. Kernergebnisse der Studie
    1. Ökonomische Effekte für Mecklenburg-Vorpommern
    2. Beschäftigungseffekte: Tausende Arbeitsplätze
    3. Hochseekreuzfahrt versus Flusskreuzschifffahrt
    4. Individuelle Landgänge dominieren
    5. Herausforderungen der Branche
    6. Zukunft der Kreuzschifffahrt: Optimistische Prognosen
  2. Hintergrund: MV Cruise Net

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Nahezu eine halbe Milliarde Euro Umsatz wird in direkt beteiligten Unternehmen generiert, und mindestens 2.800 Vollzeitäquivalente sind am Standort gesichert. Die Ergebnisse wurden am 18. Juni 2025 in der AIDA-Zentrale in Rostock vorgestellt.

Das MV Cruise Net, ein Verbund aus 18 Partnern, der die nachhaltige Vernetzung der Kreuzfahrtbranche in Mecklenburg-Vorpommern fördert, beauftragte die dwif-Consulting GmbH mit dieser Untersuchung. Die Online-Befragung, an der 45 Unternehmen teilnahmen, gliederte die Wertschöpfung in vier Kategorien: von Reedereien und Häfen (Kategorie 1 & 2) über Schiffsmakler und Logistik (Kategorie 3) bis hin zu indirekt profitierenden Bereichen wie Gastronomie und Einzelhandel (Kategorie 4).

Alexander Winter, Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, betonte die Bedeutung der Erhebung: „Diese Studie ermöglicht uns erstmals, präzise zu beziffern, welcher Wertschöpfungsanteil der Kreuzfahrtbranche im Land verbleibt und wie weitreichend das Netzwerk der Nutznießer, von den Häfen bis zu den Reiseagenturen, tatsächlich ist.“

Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, hob die Rolle des Kreuzfahrttourismus als wichtiges Standbein der regionalen Wirtschaft hervor: „Der Kreuzfahrttourismus ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Aushängeschild für Mecklenburg-Vorpommern. Allein Rostock empfängt dieses Jahr etwa 500.000 Kreuzfahrtpassagiere, ergänzt durch zahlreiche Gäste kleinerer Schiffe in Wismar und Stralsund. Viele dieser Reisenden erleben unser Urlaubsland zum ersten Mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, was oft zu wiederholten Besuchen führt. Jeder Schiffsanlauf generiert wertvolle Umsätze für unsere Hotellerie, Gastronomie und den Dienstleistungssektor und schafft die Basis für zukünftige Erträge.“


Kernergebnisse der Studie

Ökonomische Effekte für Mecklenburg-Vorpommern

Die Untersuchung der Angebotsseite zeigt, dass die befragten 45 Unternehmen und Branchen, basierend auf ihren Vorleistungsverflechtungen, signifikante Umsätze erzielen. Allein die Reedereien in Mecklenburg-Vorpommern erwirtschafteten im Jahr 2023 rund 149 Millionen Euro durch die Kreuzschifffahrt. Davon fließen fast 40 Prozent in Vorleistungen wie Treibstoff, Landstrom, Logistik, Marketing oder Wartung. Insgesamt beläuft sich der Umsatz in den direkt am Kreuzfahrttourismus beteiligten Betrieben (Kategorie 1) auf 400 Millionen Euro. Auch die Häfen in Mecklenburg-Vorpommern profitieren mit Millionen-Umsätzen.

Winter erläuterte weiter: „Der Kreuzfahrttourismus in Mecklenburg-Vorpommern kommt nicht nur den Kreuzfahrthäfen, Werften und Reedereien zugute, sondern eröffnet auch vielen weiteren Unternehmen Chancen. Die Abfertigung eines Kreuzfahrtschiffes bindet vielfältige Dienstleister ein: von Schiffsmaklern über Hafenlogistiker, Treibstoff- und Lageranbieter, Ausflugsagenturen, Terminalhostessen bis zu Parkplatzbetreibern für Kreuzfahrtgäste. Auch Unternehmen für Warentransport und die Belieferung der Schiffe mit Lebensmitteln und Gütern sind direkt involviert. Darüber hinaus profitieren indirekt viele Branchen: Verkehrsunternehmen für An- und Abreise sowie den lokalen Transport der Gäste; Gastronomie, Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen während der Landgänge; lokale Reisebüros, Hotels – besonders im Vor- und Nachlauf der Reisen sowie für Business-Aufenthalte von Branchenmitarbeitenden – und Dienstleister wie Werbe- und Eventagenturen.“


Beschäftigungseffekte: Tausende Arbeitsplätze

Die Studie liefert auch detaillierte Erkenntnisse zu den Beschäftigungseffekten. Demnach sind in den teilnehmenden Betrieben mit unmittelbarer und enger Beteiligung an der Kreuzschifffahrt mindestens 2.800 Vollzeitäquivalente am Standort Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Die tatsächliche Zahl über alle unmittelbar beteiligten Unternehmen liegt entsprechend höher. Insgesamt zeigt sich eine positive Entwicklung der Mitarbeiterzahlen: 43 Prozent der befragten, direkt in die Kreuzschifffahrt involvierten Betriebe verzeichneten in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Beschäftigtenzahlen, während 57 Prozent von stabilen Verhältnissen berichteten.

Dirk Inger, Senior Vice President Public Affairs, Sustainability & Communication bei AIDA Cruises, betonte die Rolle seines Unternehmens: „AIDA ist nicht nur der größte Anbieter für Hochseekreuzfahrten mit über 50 Prozent Marktanteil, sondern auch der drittgrößte Reiseveranstalter in Deutschland. Die erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns verbunden. Als größter privater Arbeitgeber in MV sind wir ein entscheidender Wachstumsmotor für die Region.“


Hochseekreuzfahrt versus Flusskreuzschifffahrt

Im Vergleich der Bedeutung von Hochsee- und Flusskreuzschifffahrt gaben rund ein Drittel der Befragten an, dass die Hochseekreuzschifffahrt für ihr Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern von großer Bedeutung ist; für weitere 27 Prozent hat sie eine mittlere Bedeutung. 41 Prozent messen ihr eine geringe oder keine Bedeutung bei. Die Flusskreuzschifffahrt hingegen ist nur für zwölf Prozent ein wichtiges Geschäftsfeld, 15 Prozent ordnen ihr eine mittlere Bedeutung zu, und für über die Hälfte der Teilnehmer spielt sie keine Rolle.

Die Ergebnisse variieren je nach direkter Beteiligung am Kreuzfahrttourismus. Für Reedereien, Häfen und Werften ist sowohl die Hochsee- als auch die Flusskreuzschifffahrt von deutlich größerer Relevanz. Während die Hochseekreuzschifffahrt für die Mehrheit dieser Betriebe (70 Prozent) eine hohe Bedeutung hat, zeigt sich bei der Flusskreuzschifffahrt ein differenzierteres Bild: Hier messen jeweils knapp die Hälfte (45 Prozent) dieser Betriebe ihr eine große bzw. geringe Bedeutung bei.

Betriebe mit enger Beteiligung, wie Schiffsmakler oder Transport- und Logistikunternehmen, sehen die Hochseekreuzschifffahrt mindestens als mittlere Bedeutung an. Die Flusskreuzschifffahrt ist für diese Kategorie weniger wichtig; für rund ein Drittel sind andere Geschäftsfelder bedeutender, und für 44 Prozent ist die Kreuzschifffahrt irrelevant. Der geringere wirtschaftliche Effekt der Flusskreuzfahrt und ihre geringere Relevanz für die befragten Unternehmen lassen sich auf kleinere Schiffsgrößen und den höheren Anteil an Hochseekreuzfahrtgästen in Mecklenburg-Vorpommern zurückführen.


Individuelle Landgänge dominieren

Reedereien lieferten auch Einblicke in die Aktivitäten der Passagiere. Die Mehrheit unternimmt Landgänge, wobei 87 Prozent individuelle Erkundungen bevorzugen und 13 Prozent organisierte Ausflüge nutzen. Während der Liegezeiten stehen Erkundungen des angelaufenen Ortes und seiner Umgebung, überregionale Ausflüge sowie Spaziergänge und Shopping im Vordergrund.


Herausforderungen der Branche

Die Kreuzfahrtbranche steht vor erheblichen Herausforderungen: Umweltauflagen und Schadstoffreduzierung (97 Prozent der Befragten), die Implementierung nachhaltiger Technologien (96 Prozent) und hohe Energiekosten (100 Prozent) werden als (sehr) große Hürden genannt. Auch der Arbeits- und Fachkräftemangel (85 Prozent) ist ein drängendes Thema. Drei Viertel der Betriebe sehen zudem (sehr) große Herausforderungen in den politischen Rahmenbedingungen, darunter auch geopolitische Konflikte und Terroranschläge.


Zukunft der Kreuzschifffahrt: Optimistische Prognosen

Trotz der Herausforderungen blicken 70 Prozent der teilnehmenden Betriebe kurzfristig (sehr) optimistisch in die Zukunft, mittelfristig sind es 65 Prozent. Die befragten Unternehmen sehen den Kreuzfahrttourismus als Wachstumsmarkt, sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch im gesamten Ostseeraum. Knapp die Hälfte der Unternehmen erwartet eine steigende Kreuzfahrtnachfrage in Mecklenburg-Vorpommern, während 27 Prozent von einer konstanten Nachfrage ausgehen.

Diese positive Einschätzung wird durch den geplanten weltweiten Flottenausbau untermauert. Laut dem „State of the Cruise Industry Report (2024)“ der Cruise Lines International Association (CLIA) planen deren Mitglieder zwischen 2024 und 2028 die Indienststellung von 37 neuen Kreuzfahrtschiffen. Obwohl einige ältere Schiffe ausgemustert werden, geht der Trend – neben neuen Anbietern im Luxussegment wie Ritz Carlton – zu immer größeren Schiffen mit steigendem Passagierkapazität.


Hintergrund: MV Cruise Net

Das MV Cruise Net wurde Ende 2021 ins Leben gerufen, um die Kreuzschifffahrtbranche in Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig zu vernetzen. Die 18 Partner pflegen einen regelmäßigen Austausch mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Tourismus. Zu den bisherigen Erfolgen zählen ein Parlamentarischer Abend in Schwerin im September 2023, bei dem Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven diskutiert wurden, sowie die Teilnahme an der Kongressmesse „Seatrade Europe“ in Hamburg. Zudem wurde im vergangenen Jahr der gesamte Bereich der Kreuzschifffahrt auf der MV Cruise Conference an Bord der Mein Schiff 7 in Warnemünde präsentiert, inklusive neuer Technologien und Konzepte der Reedereien.

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